1 · Vor dem Film
Klärt, was ihr denkt, was ihr wisst und worauf ihr achten werdet. Dauer: etwa eine Unterrichtsstunde.
Der Film in Kürze
- Regie
- Stanley Kubrick
- Jahr
- 1971
- Hauptrolle
- Malcolm McDowell als Alex
- Vorlage
- Roman von Anthony Burgess (1962). Diese Seite bezieht sich nur auf den Film.
- Ort und Zeit
- England in einer nahen Zukunft
- Sprache
- Englisch, dazu der Jugendslang Nadsat
- Dauer
- etwa 2 Stunden 15 Minuten
Im Mittelpunkt steht Alex, ein Jugendlicher, der mit seiner Gang nachts Gewalt ausübt und zugleich für klassische Musik schwärmt, besonders für Beethoven. Der Film begleitet ihn über eine längere Zeit und stellt Fragen: Wie darf eine Gesellschaft auf Gewalt reagieren? Wie viel Freiheit muss ein Mensch behalten? Wie es Alex ergeht, entdeckst du selbst.
Deine Meinung vor dem Film
Wie stark stimmst du den folgenden Aussagen zu? Stelle die Regler ein. Nach dem Film beantwortest du dieselben Aussagen noch einmal und vergleichst.
Sichern: Mache einen Screenshot von den fünf Reglern mit deinen Antworten und füge ihn in die Ergebnismappe ein: Seite 3.
Dein Werkzeugkasten
Beim Sehen und danach arbeitest du mit vier „Brillen“. Lies die Kurzfassungen. Wenn du mehr wissen willst, öffne die ausführlichen Seiten.
K Kohlberg: Moralische Urteile
Lawrence Kohlberg fragt nicht, was jemand für richtig hält, sondern wie er es begründet. Er unterscheidet drei Ebenen mit je zwei Stufen:
- Präkonventionell (Stufe 1 und 2): Strafe vermeiden, eigenen Vorteil suchen.
- Konventionell (Stufe 3 und 4): Erwartungen der Gruppe erfüllen, Gesetze und Ordnung achten.
- Postkonventionell (Stufe 5 und 6): Rechte und allgemeine Prinzipien wie Würde und Gerechtigkeit als Maßstab.
Beobachtungsfrage: Wie begründen die Figuren ihr Handeln – und passt das zu ihren Worten? Ausführlich: Seite zu Kohlberg.
L Lernen: Konditionierung
Bei der klassischen Konditionierung wird ein neutraler Reiz (NS) mit einem Reiz gekoppelt, der eine Reaktion auslöst (UCS → UCR). Danach löst der frühere NS als konditionierter Reiz (CS) selbst die Reaktion (CR) aus. Bei der operanten Konditionierung bestimmen die Folgen eines Verhaltens, ob es häufiger (Verstärkung) oder seltener (Bestrafung) auftritt. Beim Modelllernen (Bandura) übernehmen wir Verhalten durch Beobachtung.
Beobachtungsfrage: Wo wird Verhalten gelernt, verstärkt, bestraft oder erzeugt – und was fehlt dabei? Ausführlich: Seite zum Konditionieren.
S Sozialität: Gruppe, Institutionen, Rollen
Menschen werden durch Familie, Gleichaltrige (Peergruppe), Schule, Institutionen und Kultur geprägt (Sozialisation). Gruppen haben eigene Regeln, Rollen, Hierarchien und Sprache. Institutionen wie Polizei, Gefängnis oder Ministerien haben Macht und eigene Interessen.
Beobachtungsfrage: Wer prägt Alex, wer hat Macht über ihn – und wer benutzt ihn für eigene Zwecke? Ausführlich, mit Dahrendorf, Mead, Goffman und Krappmann: Seite zu sozialen Rollen.
F Filmsprache: Wie der Film wirkt
- Einstellungsgröße: Totale, Halbtotale, Nah, Groß, Detail. Sie steuern Nähe und Distanz.
- Kamerabewegung: Schwenk, Fahrt, Zoom (auch: langsames Herauszoomen, das erst nach und nach den Raum zeigt).
- Bildkomposition: Symmetrie, Weitwinkel, Farben, Kostüme, Ausstattung.
- Montage und Tempo: Schnitt, Zeitlupe, Zeitraffer.
- Ton: diegetisch (gehört zur Welt der Figuren) und nicht-diegetisch (nur für das Publikum, etwa Filmmusik); Voice-over (Erzählstimme).
- Musik: Wechselwirkung von Bild und Ton, auch als Kontrast (fröhliche Musik zu schlimmen Bildern).
Beobachtungsfrage: Wie lenken Kamera, Musik und Erzählstimme, was du fühlst und denkst? Ausführlich, mit Simulationen, Sequenzprotokoll und Glossar: Seite zur Filmsprache.
Nadsat: die Sprache der Gruppe
Alex und seine Freunde sprechen Nadsat, einen Jugendslang, der vor allem russische Wörter in englische Sätze mischt. Du erschließt viele Wörter aus dem Zusammenhang. Die folgenden Sätze sind eigene Beispiele im Stil des Films. Klicke auf die markierten Wörter, wenn du eine Bedeutung brauchst, und beobachte, wie schnell du sie beim dritten Satz nicht mehr brauchst.
Noch keine Bedeutung aufgedeckt.
Nadsat-Quiz
Wähle die richtige Bedeutung. Manche Wörter ähneln englischen, bedeuten aber etwas anderes. Nicht jedes Wort kommt im Film vor.
Sichern: Screenshot vom Nadsat-Quiz mit deinem Ergebnis: Ergebnismappe, Seite 4, oberes Feld.
Dein Beobachtungsauftrag
Beim Sehen kannst du nicht alles beobachten. Wähle eine Rolle, auf die du besonders achtest; deine Rolle wird beim Sehen hervorgehoben. Ihr könnt die Rollen auch in der Gruppe verteilen.
Deine Erwartungen
Sichern: Screenshot von deinem Beobachtungsauftrag (ausgewählte Rolle) und deinen Erwartungen: Ergebnismappe, Seite 4, unteres Feld. Damit ist die Vorbereitung abgeschlossen.
2 · Während des Films
Ihr seht den Film in Abschnitten. So gehst du vor: Lies den Abschnitt und deine Beobachtungsaufträge, sieh den Film bis zur Stopp-Marke, notiere deine Beobachtungen, beantworte die Kurzfrage und schalte den nächsten Abschnitt frei.
Zur Vermeidung von Spoilern bleiben spätere Abschnitte gesperrt, bis der vorherige erledigt ist. Die Stopp-Marken beschreiben Ereignisse, keine Zeitangaben, weil sich die Fassungen (DVD, Streaming) unterscheiden.
Nach jedem Abschnitt machst du einen Screenshot, bevor du den nächsten freischaltest (Ergebnismappe, Seiten 5 bis 9). Einen Hinweis mit der passenden Seite findest du in jedem Abschnitt.
Wähle Abschnitt 1, um zu beginnen.
3 · Nach dem Film
Achtung, Spoiler: Dieser Bereich enthält die Auswertung und verrät das Ende des Films. Öffne ihn erst, wenn ihr den Film gesehen habt. Prüfe vorher, ob die Screenshots aus den Schritten 1 und 2 in deiner Ergebnismappe stehen (Seiten 3 bis 9).
Erste Reaktion
Sympathie-Kurve
Wie viel Mitgefühl hattest du an den folgenden Stellen mit Alex (0 = keines, 10 = sehr viel)? Denke dabei an dein Gefühl in dem Moment, nicht an dein Urteil danach.
Wie der Film dein Mitgefühl steuert
Viele Zuschauerinnen und Zuschauer erleben, dass ihr Mitgefühl mit Alex im Verlauf umschlägt, obwohl er Täter war. Der Film erreicht das unter anderem durch die Erzählstimme von Alex, die dich zum Vertrauten macht, durch die Nähe der Kamera, durch stilisierte, fast tänzerische Gewalt am Anfang und durch die Darstellung von Alex als Opfer von Staat und Rache im letzten Drittel. Frage dich: Wann hat der Film dich beeinflusst, ohne dass du es bemerkt hast? Und was sagt das über die Themen Manipulation und Konditionierung?
Sichern: Zwei Screenshots: deine erste Reaktion (Text) in die Ergebnismappe, Seite 10, oberes Feld; die Sympathie-Kurve mit Auswertung, Seite 10, unteres Feld.
Prognose-Check
Deine Meinung nach dem Film
Beantworte dieselben Aussagen noch einmal. Unter jedem Regler siehst du deine Antwort von vorher.
Sichern: Screenshot vom Prognose-Check: Ergebnismappe, Seite 11, oberes Feld. Screenshot von „Deine Meinung nach dem Film“ mit dem Vergleich: Seite 11, unteres Feld.
Kohlberg: Moral als Urteil
Nach Kohlberg zeigt sich Moral nicht im Verhalten, sondern in der Begründung. Der Film macht das sichtbar: Die Behandlung verändert das Verhalten von Alex, aber nicht sein Urteil. Ausführlich zum Modell: Seite zu Kohlberg.
Alex’ Weg: Verhalten und Urteil
Das Diagramm stellt zwei Kurven gegenüber: oben, wie gewalttätig Alex handelt, unten, auf welcher Kohlberg-Stufe er nach dieser Deutung urteilt. Klicke eine Phase an.
Oben: Gewalt im Verhalten (0 bis 10). Unten: gedeutete Kohlberg-Stufe (1 bis 6); Farbbänder zeigen die Ebenen (Ocker präkonventionell, Blau konventionell, Grün postkonventionell).
Wähle eine Phase, um die Deutung zu sehen.
Kernthese: Die Ludovico-Technik verändert das, was Alex tun kann, nicht das, was er für richtig hält. Nach Kohlberg ist das keine moralische Entwicklung, denn eine Stufe ist eine Denkstruktur und kein Reflex.
Sichern: Screenshot von „Alex’ Weg“ (Diagramm mit der Phase, die du angeklickt hast): Ergebnismappe, Seite 12, oberes Feld.
Wer urteilt wie? Das Figurentableau
Die Figuren stehen für unterschiedliche moralische Positionen. Klicke eine Figur an. Die Einordnung ist eine Deutung: Fiktive Figuren lassen sich nicht interviewen, ihre Stufe wird aus ihren Begründungen erschlossen.
Wähle eine Figur.
Das Ludovico-Dilemma
Wende Kohlbergs Methode selbst an: Lies das Dilemma, entscheide dich und wähle die Begründung, die dich am meisten überzeugt. Danach siehst du Begründungen auf allen sechs Stufen für beide Entscheidungen.
Die Gefängnisse sind überfüllt, und gewalttätige Jugendliche wie Alex gelten als kaum besserungsfähig. Ein Arzt bietet ein Verfahren an, das binnen zwei Wochen Gewalt unmöglich macht: Medikament und Gewaltfilme werden gekoppelt, sodass dem Täter bei jedem Gewaltimpuls körperlich übel wird. Dafür darf er früher entlassen werden.
Der Häftling willigt ein, weil er sich die frühe Freiheit verspricht; er ahnt nicht, was auf ihn zukommt.
Darf der Staat das Verfahren bei einem verurteilten Gewalttäter anwenden? Warum?
Schritt 1: Deine Entscheidung
Schritt 2: Welche Begründung überzeugt dich am meisten?
Schritt 3: Was die Begründungen verraten
| Stufe | Begründung für „Ja, der Staat darf es“ | Begründung für „Nein, der Staat darf es nicht“ |
|---|
Beide Entscheidungen lassen sich auf jeder Stufe begründen. Auffällig ist aber, dass die „Ja“-Begründungen auf den höchsten Stufen kaum gelingen, ohne Bedingungen zu stellen: Das Verfahren macht einen Menschen zum Mittel für die Sicherheit anderer. Das ist kein Test; eine einzelne Auswahl sagt nichts über deine Moralentwicklung.
Sichern: Screenshot vom Ludovico-Dilemma (Tabelle mit deiner markierten Begründung): Ergebnismappe, Seite 12, unteres Feld.
Konditionierung oder moralische Bildung?
| Merkmal | Ludovico-Technik | Kohlbergs Pädagogik |
|---|---|---|
| Ziel | Gewalthandeln unterdrücken | Urteilsfähigkeit entwickeln |
| Methode | Medikament, Zwangsvorführung, Kopplung von Reizen | Dilemma-Diskussion, Perspektivwechsel, demokratische Beteiligung |
| Rolle der Person | Objekt der Behandlung | Subjekt, das argumentiert und entscheidet |
| Freiheit | wird ausgeschaltet | wird vorausgesetzt und geübt |
| Ergebnis | Reflex und Gehorsam; die Stufe bleibt gleich | umfassendere Begründungen, ein Schritt zu autonomer Moral |
| Risiken | Verlust von Würde und Wahlfreiheit, Missbrauch durch den Staat, Nebenwirkungen wie die Übelkeit bei Musik | langsam und unsicher; Urteil ist nicht Handeln |
Grenzen der Kohlberg-Analyse
Kohlbergs Stufen wurden für Interviews mit echten Menschen entwickelt. Bei Filmfiguren sind sie ein Deutungswerkzeug: Wir kennen nur die Ausschnitte, die der Film zeigt, und Alex erzählt selbst, was ihn günstig oder kalt darstellt. Außerdem fasst Kohlberg Moral als Gerechtigkeitsurteil; Alex’ Ästhetik, seine Gruppenbindung und seine Gefühle kommen darin kaum vor.
Lernen: Konditionierung im Film
Die Behandlung, der Alex sich unterzieht, ist ein Lehrstück über klassisches Konditionieren, Generalisierung und die Grenzen von Verhaltensänderung ohne Einsicht. Ausführlich zu den Theorien: Seite zum Konditionieren.
Die Rollen in der Ludovico-Technik
| Kürzel | Begriff | In der Handlung |
|---|---|---|
| UCS | unkonditionierter Reiz | das Medikament, das Übelkeit auslöst |
| UCR | unkonditionierte Reaktion | Übelkeit, Ekel, Todesangst |
| NS | neutraler Reiz | die gezeigten Gewaltfilme und die Musik, die dabei läuft (vor der Kopplung ohne Wirkung) |
| CS | konditionierter Reiz | Gewaltbilder – und unbeabsichtigt die Musik, die dabei lief |
| CR | konditionierte Reaktion | Übelkeit schon beim Anblick oder Gedanken an Gewalt |
Selbst behandeln: der Ludovico-Simulator
Du führst die Sitzungen durch. Koppele Medikament, Film und (wahlweise) Musik, dann teste, worauf Alex reagiert. Probiere auch aus, was passiert, wenn du die Musik weglässt, und wie sich die Wirkung wieder löschen lässt. Das Modell ist stark vereinfacht und zeigt keine echten Messwerte.
Noch keine Sitzung. Film und Musik lösen bei Alex bisher keine Übelkeit aus.
Phase: vor der Behandlung
Beobachtung: Das Verhalten lässt sich verändern, ohne dass Alex etwas verstanden hat. Die Übelkeit tritt auch bei harmlosen Anlässen auf (Generalisierung), und die Musik wird ungewollt mitkonditioniert. Wird die Kopplung nicht mehr aufrechterhalten, schwächt sie sich ab (Löschung) – der Reflex ist umkehrbar. Das gehört zum Bild des „Uhrwerks“.
Sichern: Zwei Screenshots des Simulators (nach mehreren Sitzungen; nach einem Test oder nach der Löschung): Ergebnismappe, Seite 13, oberes und unteres Feld.
Wie Verhalten gesteuert wird: klassisch, operant, Modell
| Situation im Film | Verhalten | Konsequenz | Lernprinzip |
|---|---|---|---|
| Nachtleben mit den Droogs | Gewalt gegen Passanten | Lust, Beute, Ansehen in der Gruppe | positive Verstärkung |
| Gefängnis | fromm auftreten | Vergünstigungen, Aussicht auf frühe Entlassung | positive Verstärkung; Anpassung ohne Einsicht |
| Haft als Strafe | Gewalt | Freiheitsentzug ohne Alternativen | Bestrafung, kaum Wirkung auf die Einstellung |
| Nach der Behandlung | Gewalt vermeiden | Übelkeit bleibt aus | negative Verstärkung (Vermeidungslernen), aufbauend auf klassischer Konditionierung |
| Die Gang | Nachahmen von Auftreten und Sprache | Zugehörigkeit zur Gruppe | Modelllernen (Bandura) |
| Schluss des Films | alte Fantasien kehren zurück | Behandlung aufgehoben, Fürsprache des Staates | Konditionierung war umkehrbar; keine Entwicklung des Urteils |
Vertiefung
Modelllernen und die Debatte über Mediengewalt
Albert Bandura zeigte in Experimenten mit Kindern, dass beobachtete Aggression nachgeahmt wird, besonders wenn das Modell erfolgreich erscheint. Kubricks Film löste in den 1970er-Jahren eine heftige Debatte aus, ob er Gewalt verherrliche und Nachahmung fördere; er wurde in Großbritannien lange nicht mehr gezeigt und erst im Jahr 2000 wieder freigegeben. Paradox: Die „Heilung“ im Film besteht darin, dass Alex Gewaltfilme sehen muss.
Verhaltensmodifikation als Zeitthema
Der Film erschien 1971, als Verhaltenstechniken in Psychiatrie und Strafvollzug diskutiert wurden. B. F. Skinner veröffentlichte 1971 „Jenseits von Freiheit und Würde“, in dem er argumentiert, dass Freiheit und Würde als Erklärung für Verhalten ausgedient hätten. Die Ludovico-Technik dramatisiert den Streit um genau diese Fragen: Darf der Staat Verhalten planvoll formen, und was geht dabei verloren?
Warum Strafe hier nicht wirkt
Das Gefängnis bestraft, zeigt aber keine Alternative. Alex lernt vor allem, sich anzupassen und sich nicht mehr erwischen zu lassen. Das entspricht der pädagogischen Erfahrung, dass Bestrafung Verhalten oft nur situationsabhängig unterdrückt und ohne Aufbau von Alternativverhalten wenig verändert.
Sozialität: Gruppe, Staat und Rollen
Alex ist nie allein: Er ist Sohn, Anführer, Häftling, Versuchsobjekt und Opfer. Fast jede Rolle wird ihm von anderen zugewiesen. Die Theorien dazu (Dahrendorf, Mead, Goffman, Krappmann) findest du mit Simulationen und einer Rollenanalyse zu Alex auf der Seite zu sozialen Rollen.
Wer formt Alex? Die Sozialisationsringe
Klicke einen Ring an. Sozialisation heißt: Menschen werden durch Familie, Gleichaltrige, Institutionen und Kultur zu dem, was sie sind.
Wähle einen Ring, um die Sozialisationsinstanz zu sehen.
Sichern: Screenshot der Sozialisationsringe mit dem Ring, den du angeklickt hast: Ergebnismappe, Seite 14, oberes Feld.
Wer benutzt Alex wofür?
| Akteur | Was er von Alex will | Alex als … |
|---|---|---|
| Innenminister und Regierung | Wahlerfolg, leere Gefängnisse, ein Vorzeigeobjekt | Mittel zum politischen Zweck |
| Ärzte und Wissenschaft | Beweis, dass die Methode wirkt | Versuchsperson |
| F. Alexander und die Opposition | politisches Kapital und Vergeltung | Opfer, das sich vorführen lässt |
| Eltern | Ruhe und ein bequemes Leben | Sohn, der stört, sobald er stört |
| frühere Weggefährten und Gegner als Polizisten | Rache, gedeckt durch ein Amt | Zielscheibe |
| Gefängnisseelsorger | dass Alex sich frei entscheiden kann | Person mit Würde (Gegenmodell) |
Bezug zu Kohlberg: Fast alle behandeln Alex als Mittel für eigene Zwecke. Der Seelsorger ist die Ausnahme. Damit steht die Achtung vor der Person, Kohlbergs Stufe 6, gegen die Stufen 2 und 4 der übrigen Akteure.
Filmsprache und Deutung
Die Fachbegriffe (Einstellungsgrößen, Perspektiven, Montage, Ton) findest du mit Erklärungen, Simulationen und einem Sequenzprotokoll auf der Seite zur Filmsprache.
Der Titel: Mensch als Uhrwerk-Orange
Eine Orange steht für Natur, ein Uhrwerk für Mechanik. Das Bild beschreibt einen Menschen, der lebendig wirkt, aber wie ein Mechanismus reagiert. Es fasst die Leitfrage zusammen: Ist ein Mensch, dem die Wahl genommen wurde, noch ein moralisches Wesen?
Voice-over und Sympathielenkung
Alex erzählt seine Geschichte selbst, spricht dabei direkt zu uns und benutzt seinen Slang. Das schafft Nähe und macht uns zu Komplizen. Auch die Kamera geht oft nah an ihn heran und blickt ihn frontal an. Nach der Behandlung kippt die Sympathie: Der Film zeigt Alex als Opfer, obwohl er Täter war. Diese Lenkung ist selbst Thema des Films: Wir werden „konditioniert“, ohne es zu merken.
Musik: Beethoven, Ironie und Kontrast
Der Film nutzt klassische Musik und Popstücke in ungewohnten Kontexten. Beethovens Neunte prägt Alex’ Fantasien, später wird sie zur Qual. „Singin’ in the Rain“ begleitet ausgerechnet einen Überfall, Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ eine Szene im Zeitraffer. Viele Stücke sind elektronisch bearbeitet (Wendy Carlos). Die Musik erzeugt Kontraste zwischen Bild und Ton, macht die Gewalt stilisiert und stellt die Frage, ob Bildung und Kunst Menschen moralisch machen.
Stilisierte Gewalt: Verherrlichung oder Entlarvung?
Gewalt erscheint im Film oft choreografiert, in Zeitraffer oder mit heiterer Musik. Das kann faszinieren und abstoßen. Kritiker warfen dem Film vor, Gewalt zu verherrlichen und Nachahmung zu fördern; andere sehen darin die Absicht, Faszination sichtbar zu machen und uns unsere eigene Verführbarkeit zu zeigen. Erst als Alex selbst zum Opfer wird, verschiebt sich unser Blick. Beide Lesarten lassen sich am Film belegen.
Bildkomposition, Ausstattung und Zukunftsbild
Kubrick arbeitet häufig mit streng symmetrischen Bildern, Weitwinkel und auffälligen Kostümen und Kulissen (Milchbar, Wohnblock, Gefängnis). Die nahe Zukunft wirkt zugleich modern und heruntergekommen. Achte darauf, wie Räume Macht und Ohnmacht ausdrücken: Wer steht wo, wer schaut auf wen?
Der Schluss: Ist Alex „geheilt“?
Am Ende sind Alex’ frühere Fantasien zurück, und er hat mächtige Fürsprecher. Drei Deutungen: (1) Die Behandlung wurde rückgängig gemacht, Alex ist derselbe wie zuvor. (2) Alex und der Staat haben sich arrangiert; beide nutzen einander. (3) Der Schluss bleibt bewusst zynisch und lässt offen, ob es überhaupt eine echte Besserung gibt. Nach Kohlberg zeigt der Film keine moralische Entwicklung, weil Alex’ Urteil unverändert bleibt.
Rezeption
Der Film löste in den 1970er-Jahren eine heftige Debatte über Gewalt in Medien aus. Regisseur Kubrick ließ ihn in Großbritannien zurückziehen; er wurde dort erst im Jahr 2000 wieder gezeigt. Die Debatte, ob Mediengewalt Nachahmung fördert, verweist auf das Modelllernen nach Bandura.
Sichern: Klappe das Thema auf, das dir am wichtigsten war, und mache einen Screenshot davon: Ergebnismappe, Seite 14, unteres Feld.
Aufgaben
Bearbeite die Aufgaben in beliebiger Reihenfolge. Zu jeder Antwort gibt es eine kurze Erklärung.
Wer argumentiert auf welcher Stufe?
Die Aussagen sind sinngemäße Positionen von Figuren, keine Zitate aus dem Film. Ordne sie einer Kohlberg-Stufe zu und achte auf das Motiv hinter der Aussage.
Stufe 1 Strafe und Gehorsam · Stufe 2 Eigennutz und Tausch · Stufe 3 Erwartungen der anderen · Stufe 4 Gesetz und Ordnung · Stufe 5 Sozialvertrag und Grundrechte · Stufe 6 universale Prinzipien
Sichern: Screenshot vom Quiz mit Ergebnis („x von y richtig“): Ergebnismappe, Seite 15, oberes Feld.
Welches Lernprinzip wirkt?
Bestimme, welches Prinzip in der Szene wirkt.
Sichern: Screenshot vom Quiz mit Ergebnis: Ergebnismappe, Seite 15, unteres Feld.
Richtig oder falsch? Filmwissen und Analyse
Prüfe Aussagen zum Film und zur Analyse.
Sichern: Screenshot vom Quiz mit Ergebnis: Ergebnismappe, Seite 16, oberes Feld. Scrolle danach im Tab „Aufgaben“ nach oben und mache einen Screenshot von der Fortschrittsanzeige: Seite 16, unteres Feld.
Transferaufgaben
Überlege dir zuerst deine Antwort und vergleiche sie danach mit der Musterlösung. Sie ist ein Vorschlag, keine einzige richtige Antwort.
Aufgabe 1: Die Behandlung klassisch analysiert
Beschreibe die Behandlung, der Alex unterzogen wird, mit den Begriffen UCS, UCR, NS, CS und CR. Erkläre, warum auch Beethovens Musik Übelkeit auslöst, und nenne zwei Merkmale, an denen man erkennt, dass es sich um einen Reflex handelt und nicht um eine Einsicht.
Musterlösung anzeigen
- UCS: das Medikament; UCR: Übelkeit. NS: die gezeigten Gewaltfilme (und die Musik); durch wiederholte Kopplung werden Gewaltbilder zum CS, Übelkeit zur CR.
- Die Musik lief bei den Filmen mit, wurde also mitgekoppelt und ist ein zweiter CS. Das zeigt, dass Konditionierung nicht wählt, was sie erfasst.
- Reflexmerkmale: Die Reaktion tritt unwillkürlich und körperlich auf, auch bei harmlosen Anlässen (Generalisierung), und sie ist nicht an Gründe gebunden.
- Alex hat nichts über Recht oder Unrecht verstanden; er vermeidet die Übelkeit, nicht die Tat als moralisch falsch.
Aufgabe 2: Hat Alex sich moralisch entwickelt?
Beurteile mit Kohlberg, ob Alex am Ende des Films moralisch „gebessert“ ist. Unterscheide dabei Verhalten und Urteil und deute den Schluss.
Musterlösung anzeigen
- Zu Beginn urteilt Alex präkonventionell (Stufe 2): Lust und Vorteil zählen, andere sind Mittel.
- Nach der Behandlung ändert sich das Verhalten, nicht das Urteil. Es fehlt jede neue Begründung; Alex handelt aus Furcht vor Übelkeit, nicht aus Achtung vor anderen.
- Nach Kohlberg entsteht Entwicklung durch kognitive Konflikte, Perspektivübernahme und Verantwortung, nicht durch Reizkopplung. Der Seelsorger vertritt eine postkonventionelle Position: Moral setzt Wahlfreiheit voraus.
- Der Schluss zeigt keine Entwicklung: Nach der Aufhebung der Behandlung sind die alten Fantasien zurück, und Alex arrangiert sich mit der Macht. Eine moralische Besserung im Sinne Kohlbergs ist nicht erkennbar.
Aufgabe 3: Behandlung oder Dilemma-Diskussion?
Stelle die Behandlung aus dem Film und Kohlbergs Dilemma-Diskussion gegenüber und nimm Stellung: Welche pädagogischen Konsequenzen ziehst du für den Umgang mit gewalttätigen Jugendlichen?
Musterlösung anzeigen
- Behandlung: Ziel ist Unterdrückung von Verhalten; Person als Objekt; Freiheit wird ausgeschaltet; Ergebnis Reflex ohne Urteil; Risiko Missbrauch und Nebenwirkungen.
- Dilemma-Diskussion: Ziel ist Urteilsfähigkeit; Person als Subjekt; Freiheit wird vorausgesetzt; langsam und ohne Garantie, aber nachhaltiger, weil sie Denkstrukturen verändert.
- Konsequenzen: Verstärken von Alternativverhalten, Beziehungsarbeit, Perspektivübernahme (z. B. Täter-Opfer-Ausgleich), Beteiligung an Regeln (Just Community); klare Grenzen und Schutz anderer bleiben nötig.
- Grenzen beachten: Urteil ist nicht Handeln, und Gilligan erinnert an Fürsorge und Beziehungen als weitere Quelle von Moral.
Aufgabe 4: Verherrlichung oder Kritik von Gewalt?
Wird Gewalt im Film verherrlicht oder kritisiert? Erörtere mit zwei Szenen und beziehe Kamera, Musik und Erzählstimme ein.
Musterlösung anzeigen
- Pro Verherrlichung: Gewalt wirkt stilisiert, choreografiert und mit heiterer Musik; Alex ist charmant und erzählt selbst. Das erzeugt Faszination und Nähe.
- Pro Kritik: Der Kontrast zwischen fröhlicher Musik und schlimmen Bildern macht die Grausamkeit spürbar; der Film zeigt, wie Zuschauer verführt werden, und führt später vor, dass staatliche Gewalt und Manipulation ebenso problematisch sind.
- Belege: z. B. die Musik im Haus des Schriftstellers (Kontrast), die Ansprache der Zuschauer im Voice-over, die Vorführung nach der Behandlung (Alex wird zum Objekt).
- Ein begründetes Urteil kann beide Lesarten anerkennen und begründen, welche überzeugender ist.
Ergebnisse sichern
Ergänzend zur Ergebnismappe: Stelle deine Eingaben aus allen Phasen zusammen und speichere sie als Textdatei oder kopiere sie. So kannst du sie abgeben oder später weiterverwenden.
Sichern: Screenshot dieses Bereichs mit der Zusammenstellung: Ergebnismappe, Seite 18. Speichere außerdem die Textdatei und gib sie zusammen mit der Mappe ab, wenn deine Lehrkraft es verlangt.